Das Sichern einer Wunsch-Domain kann sich in der Schweiz schnell zu einem juristischen Spiessrutenlauf entwickeln. Wer glaubt, die Rechte an einem Namen automatisch über ein Streitbeilegungsverfahren der WIPO (World Intellectual Property Organization) einfordern zu können, erlebt oft ein kostspieliges Erwachen.

Hier ist der Realitätscheck für alle, die mit dem Gedanken spielen, eine besetzte Domain „einzuklagen“.


Ein Streitbeilegungsverfahren für eine .ch-Domain klingt auf dem Papier effizient, ist aber mit erheblichen finanziellen Risiken verbunden. Die nackten Zahlen des WIPO Arbitration and Mediation Center sprechen eine deutliche Sprache:

  • Der Schlichtungsversuch: Dieser erste Schritt kostet pauschal 600.– CHF. Hier wird versucht, eine Einigung zwischen den Parteien zu erzielen.
  • Der Expertenentscheid: Schlägt die Schlichtung fehl, muss ein Experte ernannt werden, um ein verbindliches Urteil zu fällen. Das schlägt mit weiteren 2’000.– CHF zu Buche.
  • Die Nebenkosten: Zu diesen fixen Verfahrensgebühren kommen in der Regel noch saftige Anwaltskosten, da ein Laie kaum die komplexen markenrechtlichen Nachweise (Verwechslungsgefahr, Bösgläubigkeit des Inhabers etc.) fehlerfrei erbringen kann.

Das Kosten-Risiko-Paradoxon

Das frustrierendste Detail für Antragsteller: Sämtliche Kosten trägt der Gesuchsteller. Selbst wenn Sie das Verfahren gewinnen und Ihnen die Domain zugesprochen wird, haben Sie kein Anrecht auf eine Rückerstattung der Gebühren oder eine Entschädigung Ihrer Anwaltskosten durch die Gegenseite.

Noch gravierender ist die Erfolgsquote. Statistisch gesehen wird etwa die Hälfte aller Anträge abgelehnt. Das bedeutet: In jedem zweiten Fall investiert ein Unternehmen oder eine Privatperson mehrere tausend Franken, nur um am Ende mit leeren Händen und einer saftigen Rechnung dazustehen.


Die grössten Risiken des Verfahrens

  1. Beweislast: Sie müssen zweifelsfrei nachweisen, dass der aktuelle Inhaber die Domain „bösgläubig“ registriert hat. Wenn dieser die Domain aber für ein legitimes, wenn auch kleines Geschäft nutzt, haben Sie kaum eine Chance.
  2. Kein Kostenersatz: Wie erwähnt – das finanzielle Risiko liegt zu 100 % bei Ihnen.
  3. Zeitverlust: Ein Verfahren kann Monate dauern, in denen Ihr Projekt stillsteht.

Cleverere Alternativen: Der direkte Weg

Bevor Sie das WIPO-Formular ausfüllen, sollten Sie zwei wesentlich effizientere Wege prüfen:

1. Der Kauf über einen Domainbroker

Ein professioneller Broker agiert anonym und verhandelt für Sie. Er kennt die Marktpreise und verhindert, dass der Verkäufer den Preis künstlich in die Höhe treibt, nur weil er Ihren Firmennamen erkennt. Die Gebühren eines Brokers sind oft niedriger als die Kosten eines verlorenen WIPO-Verfahrens.

2. Direktkontakt zum Inhaber

Oft wissen Inhaber gar nicht, dass jemand Interesse an ihrer Domain hat. Ein faires Kaufangebot, das vielleicht sogar unter den 2’600 Franken der Verfahrenskosten liegt, führt häufig schneller zum Ziel. Für den Inhaber ist es „leicht verdientes Geld“, für Sie ist es die Sicherheit, die Domain ohne juristisches Hickhack zu erhalten.

Fazit: Sparen Sie sich den Ärger und das Geld für ungewisse Expertenentscheide. Eine Domain ist ein Wirtschaftsgut – und meistens fährt man besser, wenn man sie wie ein solches behandelt: durch Verhandlung statt durch Klage.